spleen 2016 oder Wenn das Ende nicht mehr weit ist, ist der Anfang schon gemacht

spleen 2016. Das waren 15 Theaterstücke überall in der Stadt.

spleen 2016. Das war spleen*trieb mit zehn Performanceabenteuern im Annenviertel.

spleen 2016. Das waren fünf wundervolle Tage in Graz.

spleen 2016. Das war eine bunte Ansammlung von netten Menschen, die (manche voll und ganz, manche mehr, manche weniger) mit Theater zu tun haben.

Und wir vom Institut für angewandtes Fragen durften mit dabei sein. Falls wir euch bis jetzt noch nicht aufgefallen sind: Wir waren das Menschengrüppchen, das immer einen guten Teil der Sofas in der Spleenzentrale in Beschlag nahm. Diejenigen, die mit ihren Laptops und großen Augen das Geschehen verfolgten. Die vom Frageninstitut.

An dieser Stelle bedanken wir uns beim ganzen Festival, dass wir hier dabei sein durften und Zeit mit so vielen tollen Menschen verbringen konnten. Und so viele Inszenierungen genießen konnten. Von abenteuerlichen Tiergeschichten, Rüsselmonstern bis zu Klogeschichten und dem täglichen Kampf gegen die Routine. Aufrüttelnde Appelle gegen die Gleichgültigkeit beim Konsum und überhaupt der Welt gegenüber waren dabei, der Homophobie im Fussball und der ganzen Gesellschaft wurde der Kampf angesagt, nach dem Glück gesucht und gemeinsam mit Bambi gelacht und geweint. Und noch so vieles mehr.

Es war uns ein Fest.

Ein großes.

Mit einer grazilen Verbeugung,

Euer Dossier Team – vom Institut für angewandtes Fragen

„Ich denke jetzt vor jedem Einkauf nach.“

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Abfall, Konsum, radikale UmweltaktivistInnen. TRASHedy, ein Stück der Performing Group, beschäftigt sich mit diesen und weiteren nicht-ganz-unkomplizierten Themen. Julia Mota Carvalho, Daniel Mathéus und Martin Rascher teilten im Gespräch ihre Erfahrungen mit uns.

Was war die wichtigste Botschaft, die ihr vermitteln wolltet?

Daniel Mathéus: Es gab nicht DEN einen besonderen Punkt. Uns war es wichtig, dass wir uns als Gruppe mit dem Thema beschäftigen und wir uns von der Bühne aus mit dem Publikum verbinden können. Jeder von uns hat bestimmte Sachen für sich entdeckt, es gibt aber keine universelle Sache, die uns alle betrifft.

Julia Mota Carvalho: Wenn ich dem überhaupt noch etwas anzufügen hab, dann, dass das Publikum etwas damit anfangen kann. Ihnen vermitteln, dass es schön wäre, wenn wir als Gesellschaft ein bisschen mehr nachdenken.

Martin Rascher: Ich glaube nachdenken und allgemein sich dem Thema öffnen ist mal gut.

Im Stück wird eine Gesprächsszene eingeblendet, in der unter anderem gesagt wird, dass ihr das Publikum nicht belehren wollt – Ist euch das gelungen?

Mathéus: Klar gibt es bestimmte belehrende Aspekte, aber ich glaube, die Leute verstehen, dass das keine universellen Wahrheiten sind.

Lebt ihr selbst sehr nachhaltig?

Rascher: Wir sind alleine durch das viele Reisen nicht nachhaltig. Es haben sich Sachen geändert, aber bei jedem ist etwas Verschiedenes rausgekommen. Ich habe auf der einen Seite aufgehört Fleisch zu essen, aber auf der anderen glaube ich nicht, dass das jetzt so einen großen Unterschied macht. Zwar trenne ich meinen Müll und konsumiere weniger, dafür fliege ich mit dem Flugzeug nach Graz. Ich würde nicht sagen, dass ich sehr nachhaltig lebe, aber ich versuche bewusster damit umzugehen.

Carvalho: Ich persönlich denke jetzt vor jedem Einkauf ein bisschen nach: Hab ich das denn schon? Kann ich das noch woanders bekommen?

Mathéus: Das Hauptding ist, wie Martin schon gesagt hat, dass man nicht nachhaltig leben kann, wenn man viel reist. Und ich bin sehr viel auf Reisen, man müsste wirklich mit Einschränkungen leben. Ich kann entweder Kaffee aus Plastik- oder Pappbechern trinken, oder keinen Kaffee. Dort wo ich ihn kaufen wollte, hat man mir gesagt, ich kann meine eigene Tasse aus hygienischen Gründen nicht verwenden.

Rascher: Ich mein, guck dir das an hier! (Er hält einen Pappbecher hoch) Das ist ein Witz! Da steht auch noch „Naturesse – das Geschirr der Natur“ oben. Egal wie nachhaltig das hergestellt wurde, das ist pure Verarsche! Und was das Festival alleine schon an den Dingern verbraucht… aber die können halt wahrscheinlich auch nicht anders. Wir sind in so einem System im Moment.

Mathéus: Also wir versuchens.

In dem eingeblendeten Gespräch sprecht ihr auch von eurer umfassenden Recherche für das Stück. Was war das Schockierenste, das ihr erfahren habt?

Carvalho: Die Plastikinsel ist ein Bild, mit dem ich kaum leben kann. Es ist einfach verrückt! Ich weiß nicht ob das das Schockierenste war, aber auf jeden Fall das Beeindruckenste.

Rascher: Ich habe mich im Zuge des Stückes mit Viehhaltung beschäftigt, das war dann ultra schockierend. Kühe, die lebendig gehäutet werden – das war wirklich auf dem Level „Schock“, der auch nicht wegging. Sonst ist es so, dass man es im Prinzip weiß, aber schon ein bisschen abgestumpft ist.

Mathéus: Also am Schockierensten ist für mich, wie die Industrie uns von den Produkten distanziert und es schafft, uns zu belügen. Viele Produkte haben keine Kennzeichnungspflicht, die behaupten was sie wollen!

Rascher: Aber ich habe auch da den Eindruck: Es überrascht einen zwar ein bisschen, aber es ist nicht wirklich schockierend.

Mathéus: Naja, es ist schockierend, weil sowas zu hören dazu führt, die Hoffnung aufzugeben.

Was war mit der „Kill Yourself“-Szene gemeint?

Carvalho: Das kann Daniel am besten beantworten, denn das ist sein Baby.

Mathéus: Wir haben im Prozess die Entdeckung gemacht, dass wir sehr unterschiedliche Meinungen haben und dass diese auf der ganzen Welt noch extremer unterschiedlich sind. Einerseits die Leute, die große Hoffnungen haben und viel verändern wollen. Andererseits gibt es sehr fatalistische Einstellungen. Menschen, die meinen „Wir können ehrlich gesagt nichts tun, die Welt wird sich schon erholen. Und wenn wir wirklich was tun wollen, dann müssen wir die gesamte Menschheit ausrotten.“  Das haben wir versucht in eine kurze Szene zu packen.

Carvalho: Und um diese beiden Systeme überspitzt darzustellen.

Um noch einmal auf das eingeblendete Gespräch zurückzukommen, ist das wirklich im Vorfeld des Stückes entstanden?

Carvalho: Die sind echt im Probeprozess entstanden. Das Original ist mit Daniel und Leandro, was ihr gestern gehört habt ist schon ein Remake.

Mathéus: Genau, die Originalversion ist auf Englisch. Damals wussten wir noch nicht ob wir es verwenden, aber wir dachten „Vielleicht ist da was zu kriegen!“. Und dann haben wir es eins zu eins ins Stück genommen.

Rascher: Eigentlich war die Aufnahme eine halbe Stunde lang, das haben wir gekürzt. Aber auch der Moment, wenn Leandro sagt: „He – meinst du, das ist voll langweilig dem zuzuhören, wenn wir das später verwenden?“, das ist alles echt.

Mathéus: Jetzt haben wir es natürlich mehrere Male reproduziert. Leandro und ich, dann auf Deutsch nochmal, dann Julia und Leandro und jetzt Julia und ich. Es gibt einige. Als Profi würde ich behaupten, man hört, dass die Jetzige nicht echt ist.

Carvalho: Auf jeden Fall war das im Konzept nicht eingeplant.

Das Gespräch führte Melanie Jaindl.

Glück…

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Was ist Glück? Wenn man selbst keine Antworten parat hat, soll es helfen, andere Leute zu fragen. Eine Fragerunde auf der Straße: Bist du glücklich? Warst du gestern glücklich? Wirst du morgen glücklich sein? Kann man alleine glücklich sein? Was macht einen glücklichen Tag aus? Ist glücklich zu sein ein Ziel im Leben? Ein Versuch, Glück zu definieren.

„Glück ist keine Konstante. Glück ist nicht kurzfristig. Das funktioniert nicht.“

„Es kann einen immer was reinpfuschen.“
„Glück ist nicht begrenzt, es ist immer da. Nur manchmal weniger und diese Zeiten braucht es, damit man das Glück dann wieder erkennt.“

„Außerdem glaub ich, dass Glück sehr wohl gerecht verteilt ist. Mancher erkennen´s nur einfach nicht und andere haben es vielleicht zu einer anderen Zeit.“

„Keine Schokolade würde mich unglücklicher machen.“

„Zeit ist Glück und Glück ist Zeit.“

Menschen machen glücklich

Die ersten Antworten sind meistens, dass es die Menschen um uns herum sind, die glücklich machen. Menschen brauchen Kommunikation, Menschen brauchen Menschen, damit sie selbst Gefühle empfinden können und auch damit ihnen Gefühle entgegengebracht werden. Alleine sein und trotzdem glücklich? Die meisten meinen, es geht eine Zeit lang, aber sicher nicht auf ewig.

„Meine Leute machen mich glücklich. Aber wenn du selbst nicht zufrieden bist, wird dich auch jemand anderes nicht glücklich machen können.“

Viel „man“, wenig „ich“

Es ist Sonntag Vormittag, zwei junge Leute am Grazer Hauptplatz sitzen auf den Stufen des Erzherzog Johann Brunnen und die junge Frau raucht eine Zigarette. Sie beide sehen müde aus aber ich bin mir nicht sicher ob sie müde sind, weil sie wenig Schlaf hatten oder ob sie einfach müde vom Leben, von ihrer Welt sind.

Seid ihr heute glücklich? 

„Es geht.“

Denkt ihr, dass ihr morgen glücklich sein werdet?

„Ja kann gut sein, man weiß ja nie, was kommt.“

Was wäre ein glücklicher Tag? 

„Ein Lottogewinn“, meint er. Sie sagt aber: „Na, wenn halt alles so hinhaut, wie man´s haben will“.

Die Geburt vom eigenen Kind und der Nichte waren die glücklichsten Momente, an die sie auch jetzt noch oft denken.
Ist es ein Ziel für euch, im Leben glücklich zu sein?  

„Ja klar, das ist es ja für jeden oder? Eine Grundvoraussetzung.“

Habt ihr Maßnahmen, um das Ziel zu erreichen?

„Nein die gibt’s nicht. Das ist Schicksal. Vielleicht wacht man ja irgendwann auf und ist voll happy!“

Denkt ihr oft über Glück nach? 

„Nein. Also ab und zu denkt man vielleicht schon ´wenn ich das anders gmacht hätt, dann würd´s mir jetzt besser gehen. Aber wieso sollte man den Kopf in den Sand stecken?“

Die beiden reden über Glück aber definieren es nicht,  in ihren Formulierungen verwenden sie selten „ich“ und ganz oft „man“. Glück scheint für sie nicht individuell, sondern ein allgemeiner Begriff zu sein. Sie scheinen ans Glück zu glauben, aber nicht an ihr eigenes. Zumindest nicht im Moment.  Und wenn es existiert, dann können sie selbst es sicher nicht beeinflussen. „Es passiert.“

Nach meinem Rundgang in der Stadt würde ich meine erste Frage anders stellen. „Was ist mein  Glück?“, denn das eine Glück – das gibt es nicht. Jeder braucht seine eigene Definition und die kann ich hier leider nicht liefern, denn die ist nicht auf der Straße zu finden, sondern im eigenen Herzen.

Ein Text von Katharina Brunner.

(M)ein kleiner Einblick

Wenn sieben junge Schreiberlinge antreten, um das spleen*Festival medial zu begleiten, dann sammeln sich jede Menge Eindrücke und Gedanken an, die man entweder für sich behalten oder mit der Welt teilen kann. Da das Niederschreiben der persönlichen Sicht der Dinge aber nie ganz verkehrt ist, werde ich die folgenden Zeilen all denen widmen, die immer schon mal wissen wollten, wie es ist wenn man keine absolut keine Ahnung vom Theaterschauen und anschließend darüber zu Schreiben hat und trotzdem… zu schreiben beginnt.

Der erste Termin für ein Treffen fiel auf einen windigen Samstag im Jänner: Aufgefädelt wie Perlen an einer Schnur saßen wir, also die anderen Teilnehmer des Medienprojekts und ich, an einem runden Tisch im TaO und versuchten darüber diskutieren, wo die Reise eigentlich hinführen sollte. Was wir uns von dem Festival erwarten, wollte man wissen. Aber das wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt selbst nicht so genau: Im Grunde genommen irgendwas mit Theater und Schreiben, oder?

Zwar bin ich anfangs nicht in der Lage dazu gewesen die Frage zu beantworten wo die Reise hinführen soll – aber mittlerweile wenigstens wo die Reise hingeführt hat. Das Theater im Bahnhof, der sogenannte spleen*hotspot, wurde mit Beginn des Festivals am 04. Februar 2016 zum Großraumbüro umfunktioniert und inmitten von bunt zusammengewürfelter Einrichtung konnte ich meinem Laptop beim heiß laufen zuschauen. Zwar nicht verzweifelt, aber trotzdem ein bisschen angespannt, ob ich meine Gedanken zeitig aufs Papier bekomme, saß ich auf meinem Polsterhaufen und sah der Zeit beim Vergehen zu. Noch 1 Stunde bis Redaktionsschluss: Jetzt aber schnell!

Und wie ist es jetzt eigentlich sich Kinder und Jugendtheater anzuschauen und anschließend darüber zu schreiben? – Nach ein paar Tagen im Selbstversuch kann ich ehrlich zugeben, dass es mit Sicherheit kein einfaches Unterfangen ist und ich Kinder und Jugendtheater im Vorfeld definitiv unterschätzt habe. In den Augen meiner Mitmenschen bin ich vielleicht das, was man als Erwachsen bezeichnet und trotzdem muss man manchmal einsehen, dass man als Erwachsener nicht über den Dingen steht. Ich glaube nur, weil Inhalte auf verständlichere Art und Weise vermittelt werden, schmälert das an sich nicht die Idee hinter der Geschichte selbst.

Schlussendlich bringt das Nachdenken und Hinterfragen von Inhalten viel Zeit mit sich, die man alleine mit seinen eigenen Gedanken verbringt. Und wenn ich nun täglich meine Eindrücke über das Theaterschauen festgehalten habe , dann hab ich dieses Mal nicht nur etwas über andere gelernt, sondern am Ende tatsächlich auch ein bisschen über mich selbst.

Ein Text von Katrin Fischer.

“Man ist miteinander verbunden.”

Kurz vor 11.00 Uhr Vormittag. Reimar de la Chevallerie von der Theatergruppe “boat people projekt” sitzt vor mir, im Speisesaal des Spleen-Zentrums. Um uns wird bereits das Mittagessen vorbereitet. Reimar ist eigentlich für die um 11.00 Uhr stattfindende Diskussionsrunde hier, dennoch hat er sich Zeit genommen, dem Spleen-Dossier einige Fragen rund um ihr Ausnahmeprojekt zu beantworten.

Wie kam es zum Projekt “boat people”?

2009 haben wir uns gegründet. Damals kam die erste große Welle der Lampedusa-Flüchtlinge. Deswegen auch dieser Name – “boat people projekt”. Obwohl mittlerweile passt er nicht mehr ganz – wir müssten ihn eigentlich ändern.

Ihr behandelt ja ein sehr kontroverses Thema. Wie fallen die Rückmeldungen des Publikums aus?

Es gab schon viele Theaterleute, die mit der Thematik gearbeitet haben, aber nicht so wie jetzt. Das Publikum ist leider immer auf unserer Seite. Du gehst ja zu Sachen, die dich interessieren und denen du positiv gegenüberstehst. Daher bekommen wir wenig negative Rückmeldungen, ein E-Mail vielleicht hin und wieder. Eigentlich wollen wir aber auch mehr in den Raum gehen, politisch. Generell machen wir Theater mit Profis und mit Laien, dadurch bekommen wir auch sehr gemischtes Publikum. Wir wollen den Leuten auch neue Dinge zeigen, zu denen sie keinen Kontext haben und wo sie froh sind, einen Kontakt zu diesen Bereichen bekommen.

Gibt es schon Pläne, wie ihr neue Kontroversen aufwerfen werdet?

Unser aktuelles Projekt heißt “Eine Stadt verändert sich”. Was in der ganzen Flüchtlingsdebatte verloren geht, ist, dass 20.000 Roma abgeschoben werden. Das sind auch Roma-Familien, die teils seit 15 Jahren in Deutschland gelebt haben. Die Deutschen sind gerade so in ihrem Gutsein, dass sie übersehen, dass sie Schicksale schaffen. Das behandeln wir in unserem aktuellen Stück. Es gibt auch Demos, bei denen wir mitmachen und wir unterstützen ein Kirchenasyl. Wir sind also auch so aktiv.

Ihr arbeitet in euren Stücken ja mit Flüchtlingen. Wie stellt ihr den Kontakt her?

Einfach hingehen. Ansprechen. Wir bekommen jetzt Anrufe von Stadttheatern, die uns fragen, ob sie sich von uns Flüchtlinge borgen können. Wenn du mit Flüchtlingen arbeitest, generell mit Menschen arbeitest, trägst du eine große Verantwortung. Diese Verantwortung ist nicht mit dem Ende der Aufführung vorbei. Du unterstützt diese Menschen dann auch noch weiter. Man ist miteinander verbunden. Viele große Theater können sich das nicht leisten.

Wie steht ihr dem ganzen momentanen Hype über Refugees gegenüber?

Erstmals gut. Es kann aber für einen Flüchtenden sehr anstrengend sein, dass er theaterspielen und Sport machen muss. Das Verfügen über Flüchtlinge (zB im Kulturbereich) ist momentan extrem.

Euer Stück hier bei Spleen ist von der Thematik her anders als eure anderen Stücke.

Ja, wir haben beschlossen Stücke nicht nur über Flucht zu machen. Obwohl es auch bei “Steh deinen Mann” im weitesten Sinne um Flucht geht, ums Anderssein, um Randgruppen. Wir sind eine Fünfer-Konstellation und jeder hat auch seine eigenen Projekte. Ich wurde auf diese Thematik durch ein Merkel Transparent aufmerksam, auf dem stand: “Sei wie du bist”. Das war eine Aktion gegen Homophobie (im Fußball). Danach habe ich zu diesem Thema recherchiert und auch mit Marcus Urban gesprochen.

Das Gespräch führte Stefanie Burger.

 

“Steh deinen Mann” könnt ihr euch übrigens noch am Sonntag, um 15.00 Uhr und am Montag, um 14.00 Uhr im allgemeinen Turnverein Graz, Kastellfeldgasse 8 ansehen.

“Wie ein Chamäleon – nur nicht angepasst.”

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Das komplette Interview und viele weitere Ein- und Ausblicke auf das diesjährige spleen-Festival gibt es auch in der zweiten Ausgabe des spleen*dossier nachzulesen. In echt und auf Papier natürlich!

Menschengewirr, Holzmobiliar, Lasagnegeruch. Eine dichte Klangwolke schwebt über dem Raum. Reges Treiben im spleen*-hotspot. Bei einem Stück Schokokuchen warten wir auf die Organisatorin und den Organisator des Theaterfestivals: Hanni Westphal und Manfred Weissensteiner. Zehn Jahre ist ihr „Baby“ jetzt alt – Zeit, ein Fazit zu ziehen.

10 Jahre Spleen – welche Szene ist dir im Kopf geblieben? 

Manfred Weissensteiner: Schneegestöber, viele Menschen am Vorplatz vom Next Liberty, Gatsch, Feuer… und eingesperrte Jugendliche waren dort! Eingezäunt mit Schildern in der Hand.

Hanni Westphal: Also die erste Assoziation, die mir in den Sinn kommt, ist das allererste Stück oder überhaupt der Anfang. Das war, für mich persönlich, das totale Highlight. Einfach niemand hat spleen* gekannt und dann haben wir auch noch eine Theatergruppe eingeladen, die ebenfalls ganz unbekannt war. Wir haben uns gefragt, ob überhaupt Publikum kommt. Aber der Ossi (Weissensteiner) hat dann nur gesagt: „Lass mal, wenn die dann spielen, sehen das viele und dann wird das schon weitergehen.“

Und was war das erste Stück?

Westphal: „Long Journey Home”. Es wurde damals im Next Liberty aufgeführt. Ich bin bei der Premiere gesessen und dachte nur: „Das haben wir jetzt geschafft!“. Dann sitze ich da, hinter mir 300 Leute. Alle waren begeistert,  mein Gedanke war nur: „Wow“.

Wenn du zurückblickst – welches war dein Lieblingsstück?

Weissentsteiner: Boah ihr habt schwere Fragen! Wie viele Stücke waren das? Sechsmal spleen* mit durchschnittlich 15 Stücken – an die 90 insgesamt. Nein, ich kann es nicht sagen.

Eher ein Hang zur Komödie oder Tragödie?

Weissensteiner: Hmm.. ja ich lache schon gerne eigentlich.

Wenn das Festival ein Tier wäre, welches wäre es?

Westphal: Chamäleon! Naja, ich weiß nicht, ich hatte nur an etwas Buntes gedacht… Aber es passt sich an, ist vielleicht doch nicht so gut. Was könnte es denn sonst noch sein? Irgendwas Starkes! Ein Dinosaurier vielleicht.

Weissensteiner: Ein gefräßiges Murmeltier.

Wer entscheidet über das Thema des Festivals?

Weissensteiner: Meistens ist es so, dass bei der Auswahl der verschiedenen Stücke nach einem roten Faden gesucht wird. Die Stücke bestimmen eher das Thema, als das Thema die Stücke.

Und wie „findet“ ihr eure Stücke?

Weissensteiner: Durch Besuche bei anderen Festivals, Empfehlungen und auch durch Kontakte, die mit der Zeit entstanden.

Was ist dieses Jahr anders als alle Jahre zuvor?

Westphal: Dieses Jahr ist das Festival einen Tag kürzer, weil wir weniger Förderungen bekommen haben. Das ist schon eine gravierende Veränderung. Wir haben uns überlegt, wie wir den Festivalcharakter beibehalten können, deswegen haben wir einen Tag weggenommen, damit das Programm an den restlichen dicht bleibt.

Wie schätzt du mit diesem Status-quo bei Förderungen die Zukunft des Festivals ein?

Westphal: Wenn es so bleibt, können wir weitermachen – wenn es noch weniger wird, dann würde das gesamte Festival in Frage gestellt werden. Ich hoffe zumindest, dass die Förderungen auf dem gleichen Level bleiben, habe aber die Befürchtung, dass das Argument „Wir brauchen das Geld für anderes“ von den Zuständigen kommen wird. Kindertheater hat nun mal keine starke Lobby.

Warum eigentlich „spleen*“?

Westphal: Das hab ich mir ausgedacht! Zuerst gab es ein Festival mit behinderten Künstlern, da haben wir den Namen schon verwendet. Es steht einfach für schräg, verrückt, „spleenig“ halt. Dann kam die Idee, dass wir ein Festival für Kinder und Jugendliche machen und ich wollte ihn wieder einführen. Ein cooler Name, mir gefällt er sehr!

Was ist eure besondere Empfehlung für das diesjährige Publikum?

Weissensteiner: So etwas darf man nicht! Wie wäre das denn für alle anderen Beteiligten?

Westphal: Es gibt so viele tolle Stücke! Schauen Sie sich so viele wie möglich an, das ist meine besondere Empfehlung!

Weissensteiner: Musstest du schon sagen, welches Tier spleen* ist?

Westphal: Ja! Ich habe gesagt Chamäleon. Aber das passt doch nicht, weil es sich an seine Umgebung anpasst.

Das Interview führten Melanie Jaindl und Tanja Unterweger.