Kaka-Du*Lottaleben

DIE ERSTE WURST
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ICH WILL NACH HAUSE!  
ruft ein kleiner Junge, kaum, dass das Stück begonnen hat. Doch die Mutter bleibt hart! Erst nachdem eine lautstarke Begründung folgt –  ICH MAGS NICHT SEHEN!- gibt sie nach und verlässt das Theater.
Das Kollektiv kann sich dem Buben nicht anschließen, auch wenn seine Antipathien nachvollziehbar sind. Der Prozess vom Windelträger zum Kaka-Töpfchenbenutzer ist jedem von uns tief im Gedächtnis eingebrannt. Und nicht jeder hat bereits damit abgeschlossen. Das wurde heute deutlich. Trotzdem lautet das Urteil zur Inszenierung: “Sehr lustig!”
Über ein Jahr lang haben sich Lottaleben dem Thema KINDER, KLO & KACKE gewidmet, und im Anschluss an die theoretische Auseinandersetzung  acht Monate lang an KAKA-DU gearbeitet. In der bunten Mischung aus Tanz, Performance, Spiel, Musik und Objekttheater will die kleine Paula nicht mehr aufs Kaka-Töpfchen, sie will auf die große Toilette. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Am liebsten will sie gar nicht MÜSSEN.
Stattdessen spielt und träumt sich Paula durch das Toiletten-Universum. Die Klobürste erwacht zum Leben, in jedem Ding steckt eine Seele und eine Geschichte (auch in der handelsüblichen Saugglocke oder Pömpel genannt).
Ach, das Klopapier war einst ein Baum und alles und jedes hat ein Geräusch und einen Geruch, ein Tun und ein Sein. Das lebendig gewordene Klo-Inventar tollt und tanzt und tut und das hat das Kollektiv wild erheitert und zu einem philosophischen Nachgespräch angereget.
Die erste eigene Wurst, das selbst Erschaffene, das, was aus mir gekommen ist – das lässt kein Kind unberührt, auch uns nicht. Die Pädagogin rät zu Lob und Nachsicht, die Faszination über das KAKA wird sich legen. Warum eigentlich?
Wundern wir uns nicht, wenn sich heute Abend in einigen Grazer Familien, Eltern dem Zustand der Verzweiflung und der Hysterie nähern, wenn sie ihre Kleinen beim Versuch in der Kloschüssel zu tauchen, beim Zähneputzen mit der Klobürste oder beim Verstecken sämtlicher Toilettenrollen in den Spieleschrank, erwischen.
Erschrecken Sie nicht, liebe Eltern, wenn Sie Ihr Kind morgen früh mit einem Pömpel auf dem Kopfkissen statt  Bussi-Bären oder Kuschel-Hasi vorfinden.
Auch diese Phase geht vorüber…

Alexander Iljitsch Besymenski

( i.V. des ITTKKS*2014)

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P.S. auf Socken in die Vorstellung – olfaktorisch gesehen ein Armageddon