Archiv für den Monat: Februar 2014

alien*invasion

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Nein, bei diesen glühenden Augen handelt es sich nicht um jene, die gern von Aliens aus einer anderen Galaxie zur Verunsicherung der Erdenmenschen benutzt werden. Es handelt sich vielmehr um die wachen und aufrichtigen Augen junger Grazer Gymnasiasten, die sich ebenfalls zu einem Kollektiv zusammengefunden haben, um sich mit nur wenigen Eingriffen zum Geheimtipp des diesjährigen spleen*festivals zu mausern.

SED – das steht für Sozialistische Eingreif Druppe, die überall, wo der Kapitalismus überhand zu nehmen droht in Graz und Umgebung, auftaucht und für soziale Gerechtigkeit, Weltfrieden und Marxistische Lehren eintritt.

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Sie schafft es bei ihren immer wieder überraschenden Auftritten in Verkehrsmitteln, Requisitenkammern und anderen Orten öffentlichen Interesses für gute Stimmung, tränende Augen und lachende Herzen zu sorgen.

Mit Liedern über Stalin öffnen sie längst verschlossen geglaubte Poren der Solidarität, für den Ruf nach Freiheit lange verstopfte Gehörgänge und für den Schrei nach Gerechtigkeit verstummten Stimmlippen.

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Gerade den Mitgliedern des Internationalen TheaterTouristischen KünstlerKollektivs Spleen*2014, die in einem fernen sozialistischen Land vor dieser Zeit aufgewachsen sind, treiben die Melodien und Forderungen der jungen Grazer Lächeln und Wehmut gleichzeitig ins Gesicht und Tränen in die ohnehin schon glasigen Augen.

Für Frieden und Sozialismus seid bereit!“, hieß es einst.

IMMER BEREIT!“

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Alexander Iljitsch Besymenski

( i.V. des ITTKKS*2014)

spleen*landing on graz

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36 Stunden Festival-Fieber und kein Blog in Sicht, die Ereignisse lassen keine Zeit zum Atmen geschweige denn zum Schreiben. Sie fordern ihre ersten Tribute an Leib und Seele des Kollektivs: kratzende Hälse, verstopfte Nasen, kalte Ohren, nasse Füße, partielles Kopfweh, malträtierte Stimmbänder und akuter Schlafmangel sind nur einige der diagnostizierten Schäden an den theaterhungrigen Spleen*Gängern.

Aber keine Sorge – das Kollektiv ist ein alter Hase im Geschäft der Festival-Fitness – Tee, Nasenspray, Taschentücher, Placebos und Aspirin, alle Nase lang einen Doppelten – so geht es radelnd und strack durchs Programm.

Freitag, 19:30 Uhr, Graz, Platz vor dem NEXT LIBERTY

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Nebelschwaden, Flutlichter, Menschenmassen – am Fuße der Grazer “Statue of Liberty”, einem stählernen Ungetüm, das einmal der Eiffelturm von Graz werden wollte, herrscht eine geheimnisvolle Atmosphäre, als stünde die Landung Außerirdischer bevor.

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In einem Käfig eingezäunt dutzende junger Menschen, die mit Plakaten und Sprechchören auf sich aufmerksam machen und freigelassen werden wollen. Wie in einem Zoo stapfen Schaulustige durch die vermatschte Wiese des Opernvorplatzes wie über einen Acker bei Tauwetter um die gegen ihr Schicksal demonstrierenden zu begaffen.

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Den Eingepferchten werden Brotkrumen zugeworfen oder Glühwein gereicht, je nach Bedürftigkeit und Aggressionspotential.

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Auf einer winzigen Bühne unterhalb des Ungetüms reichen sich Politiker, Veranstalter und Moderatoren die Mikrofone und verkünden, wie viel Vorfreude auf das Festival in ihnen lodert, wie glücklich sie sich schätzen, dass das Festival wieder stattfindet und wie dringend notwendig die eingepferchten Menschengruppen, bei denen es sich um die spleen*trieb*kinder des TaO (→ Theater am Ortweinplatz) handelt, freigelassen werden müssen.

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Sie wollen raus! Sie wollen auf die Bühne! Sie wollen spielen, singen, tanzen, performen! Und sich endlich aufwärmen! 

Nur die Spleen*Hymne kann die jungen Menschen vor dem Erfrieren retten. Und so hebt der Chor der Gäste zum Gesange an und das Wunder geschieht. Mit den zutiefst ergreifenden Zeilen

Es ward die kalte, düstre Jahreszeit, Schmerz und Gebrechen und auch Übelkeit, da sang der Himmel, vertrieb das Wolkenmeer. Es erschien Spleen! Spleen! Spleen!“

SPLEEN-HYMNE

werden die Gatter geöffnet, die Trieb-Gruppen marschieren in das NEXT LIBERTY ein und es ist, als schöben sich dutzende trojanische Pferde durch die massiven Mauern in das Herz des Musen-Tempels, um Besitz von ihm zu ergreifen. 

Das Volk folgt und die Spiele sind eröffnet.

SPLEEN ist in Graz gelandet.

Alexander Iljitsch Besymenski

( i.V. des ITTKKS*2014)

Audiobits zu “Auf die Ohren”

Und noch mehr Eindrücke von gestern: Lisa Schodermayr und Lisa Glänzer begleiten die spleen*trieb-Projekte als RadioreporterInnen – ihr erster Beitrag enthält Publikumsstimmen zu “Auf die Ohren” und ein kurzes Interview mit den ProjektleiterInnen Marlin Merholz und Miriam Schmid.

spleen*krapfennot in graz

BESCHWERDE !!!

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Das Kollektiv hat sich von diesem Angebot verleiten lassen, ein Café X aufzusuchen obwohl es von Grazern nicht empfohlen wird. Um 12:15 Uhr befindet sich kein einziger Krapfen mehr in der Filiale, geschweige denn 10 Stück für 8,50 Euro. Was ist  los im Café X? Es ist Festival-Zeit! Da muss Vorsorge getragen werden.

Auf Anfrage bei der Filialleitung wird uns mitgeteilt, es hätte nur 300 Krapfen für diese Filiale gegeben. Tageszuteilung. 300 Krapfen!

300 Krapfen?  Das sind umgerechnet 30 Kunden. Nur 30 Kunden konnten heute das Angebot des Tages annehmen.

SKANDAL!!!

PS. Nun wissen wir, warum der Grazer mit der Empfehlung sehr zurückhaltend bleibt.

Alexander Iljitsch Besymenski

( i.V. des ITTKKS*2014)