spleen*landing on graz

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36 Stunden Festival-Fieber und kein Blog in Sicht, die Ereignisse lassen keine Zeit zum Atmen geschweige denn zum Schreiben. Sie fordern ihre ersten Tribute an Leib und Seele des Kollektivs: kratzende Hälse, verstopfte Nasen, kalte Ohren, nasse Füße, partielles Kopfweh, malträtierte Stimmbänder und akuter Schlafmangel sind nur einige der diagnostizierten Schäden an den theaterhungrigen Spleen*Gängern.

Aber keine Sorge – das Kollektiv ist ein alter Hase im Geschäft der Festival-Fitness – Tee, Nasenspray, Taschentücher, Placebos und Aspirin, alle Nase lang einen Doppelten – so geht es radelnd und strack durchs Programm.

Freitag, 19:30 Uhr, Graz, Platz vor dem NEXT LIBERTY

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Nebelschwaden, Flutlichter, Menschenmassen – am Fuße der Grazer “Statue of Liberty”, einem stählernen Ungetüm, das einmal der Eiffelturm von Graz werden wollte, herrscht eine geheimnisvolle Atmosphäre, als stünde die Landung Außerirdischer bevor.

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In einem Käfig eingezäunt dutzende junger Menschen, die mit Plakaten und Sprechchören auf sich aufmerksam machen und freigelassen werden wollen. Wie in einem Zoo stapfen Schaulustige durch die vermatschte Wiese des Opernvorplatzes wie über einen Acker bei Tauwetter um die gegen ihr Schicksal demonstrierenden zu begaffen.

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Den Eingepferchten werden Brotkrumen zugeworfen oder Glühwein gereicht, je nach Bedürftigkeit und Aggressionspotential.

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Auf einer winzigen Bühne unterhalb des Ungetüms reichen sich Politiker, Veranstalter und Moderatoren die Mikrofone und verkünden, wie viel Vorfreude auf das Festival in ihnen lodert, wie glücklich sie sich schätzen, dass das Festival wieder stattfindet und wie dringend notwendig die eingepferchten Menschengruppen, bei denen es sich um die spleen*trieb*kinder des TaO (→ Theater am Ortweinplatz) handelt, freigelassen werden müssen.

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Sie wollen raus! Sie wollen auf die Bühne! Sie wollen spielen, singen, tanzen, performen! Und sich endlich aufwärmen! 

Nur die Spleen*Hymne kann die jungen Menschen vor dem Erfrieren retten. Und so hebt der Chor der Gäste zum Gesange an und das Wunder geschieht. Mit den zutiefst ergreifenden Zeilen

Es ward die kalte, düstre Jahreszeit, Schmerz und Gebrechen und auch Übelkeit, da sang der Himmel, vertrieb das Wolkenmeer. Es erschien Spleen! Spleen! Spleen!“

SPLEEN-HYMNE

werden die Gatter geöffnet, die Trieb-Gruppen marschieren in das NEXT LIBERTY ein und es ist, als schöben sich dutzende trojanische Pferde durch die massiven Mauern in das Herz des Musen-Tempels, um Besitz von ihm zu ergreifen. 

Das Volk folgt und die Spiele sind eröffnet.

SPLEEN ist in Graz gelandet.

Alexander Iljitsch Besymenski

( i.V. des ITTKKS*2014)