Über Frieden reden und Krieg führen

Als Erich Kästner in den späten neunzehnvierziger Jahren zu Stift und Papier griff, um seinen  Roman Konferenz der Tiere zu schreiben, hing in Deutschland ein Gefühl der Hoffnung in der Luft. ,,Nie wieder Krieg”, schrie man in die Welt hinaus und für viele Jahrzehnte dienten diese Worte als friedsamer Schlachtruf einer Nation. Kästners Werk, in dem er für junges Publikum über das politische Scheitern der Menschen schreibt, wurde lange Zeit als Mahnmal herangezogen – doch dieser Klassiker der Literatur ist aktueller den je.

Wenn im Mittelmeer Menschen ertrinken und Grenzen plötzlich wieder greifbar werden, dann ist es an der Zeit, sich einzugestehen, dass die Welt wie wir sie kennen Stück für Stück aus den Fugen gerät. Krieg ist kein vager Begriff mehr, der sich am anderen Ende des Erdballes abspielt. Vielmehr sind die Ausmaße deutlich spürbar und ziehen große Kreise. Durch unvorstellbare Ereignisse im eigenen Heimatland traumatisiert, erreichen dieser Tage zahlreiche Geflohene Europa, Österreich, Graz. Schon längst ist die Auseinandersetzung mit dem Thema in unserer Mitte angekommen und ein Teil unseres Alltags geworden. Egal ob an der Grenze in Spielfeld, im Flüchtlingsheim oder in belauschten Gesprächen in der Straßenbahn – die Herausforderung, vor der wir stehen, legt sich wie ein Schleier um unsere Köpfe und verwehrt uns eine klare Sicht auf den Stand der Dinge. Inmitten dieser turbulenten Zeit, in der schlechte Nachrichten an der Tagesordnung stehen, macht es durchaus Sinn, sich die Angelegenheit aus einer anderen Perspektive anzusehen. Wie beispielsweise in der Grazer Theaterwelt, in der momentan versucht wird, auf kreative Art und Weise damit umzugehen.

Wenn also eine Gruppe von tierischen Superhelden antritt, um dem Leid, das sich die Menschen gegenseitig zufügen, Einhalt zu gebieten, dann kann man Kästners träumerische Gestaltung eines besseren Miteinanders als ein Appell an alle Kinder dieser Welt lesen, aus den Fehlern ihrer Vorgänger zu lernen. „Es geht um die Kinder“ war schließlich der Leitspruch, unter dem die Tiere auf die fehlende Fürsorge der Menschen aufmerksam machten. Und während die Tiere in Kästners Roman eine Lösung für ihre Probleme gefunden haben, sollten wir uns fragen, ob wir das auch werden.

Ein Text von Katrin Fischer.