Mehrer Studente sitzen auf Matratzen am Boden

“Glück muss von innen kommen”

Während der Festivalhotspot des spleen*graz im Theater im Bahnhof nur temporär ist, gibt es dort auch ein langfristiges Projekt. Fünf Studenten wohnen seit über einem Jahr gemeinsam im Theater am Bahnhof, und sind dort auf der Suche nach dem Glück. Reporter Julian Bernögger hat sich mit WG-Bewohnerin und Architekturstudentin Pia getroffen und ein Gespräch über Theater, die Suche nach dem Glück, und wie es sich anfühlt, für einige Tage mitten im Festival zu wohnen, geführt.

Julian: Wie lange wohnt ihr schon hier?

Pia: Ein bisschen mehr als ein Jahr, ich bin vorletztes Jahr im Oktober eingezogen. Leo ist schon länger hier, der hat das Projekt ja gestartet.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen zusammen zu ziehen und wie ist die Gründung der WG verlaufen?

Die Idee hatte Leo, wir waren alle in der gleichen Lebenssituation. Wir hatten alle die Schule abgeschlossen und zu studieren begonnen und überlegt was wir mit unserem Leben machen, dabei blieb dann aber das glücklich sein auf der Strecke. Leo wollte dann eine WG mit Leuten gründen, die das selbe Problem haben. Er hat dann eine Anzeige aufgegeben, ich habe die gesehen und fand die Idee sehr cool. Mir ging es damals eben genau gleich, ich wusste nicht was mich glücklich macht, war zu sehr auf die Zukunft fokussiert und dachte nicht ans jetzt.

Was gefällt dir an der WG am besten?

Das Zusammensein auf dem kleinen Raum, das fordert einen schon, aber wenn man es einmal nicht hat fehlts einem total. Es ist auch super, dass alle das gleiche Ziel verfolgen, das hilft mir in meiner Suche nach dem Glück.

Gibt es in der WG etwas, dass dich stört?

Natürlich kommt man sich ab und zu in die Quere, immerhin wohnen wir zu fünft auf sehr engem Raum. Blöd ist auch wenn man zum Beispiel grad für eine Prüfung lernt und grad nicht mit anderen Leuten reden will. Aber sonst wüsste ich nichts was mich stört. (Pia wendet sich an ihre Mitbewohner) Gibt es etwas, dass euch stört? „Nein, passt alles“

Ihr wohnt unter dem Motto „WG zum Glück“ zusammen, was bedeutet das für das Zusammenwohnen und was ist für dich Glück?

Es gibt allen ein gemeinsames Ziel, ich glaub deshalb gibt es auch nichts das uns stört. Ich glaube, wenn wir alle nur zusammenwohnen würden, weil wir eine Wohnung brauchen, dann wäre das nicht so. Für mich bedeutet Glück derzeit, ich bin ja noch immer auf der Suche, zu erfahren wer ich selbst bin. Das ist schon eine große Aufgabe, sich selber kennen zu lernen. Ich denke wir haben langsam alle einen guten Weg gefunden.

"Im Müll herumzuwühlen ist ein gutes Lebensgefühl", findet Pia – Foto: Julian Bernögger

“Im Müll herumzuwühlen ist ein gutes Lebensgefühl”, findet Pia – Foto: Julian Bernögger

 Wie steht ihr zum spleen*graz? Stören die Leute oder freust du dich, wenn viel los ist?

Es sind ja öfter Veranstaltungen hier, beim spleen Festival sind halt viel mehr Leute da als sonst, manchmal auch bis spät in der Nacht. Am Anfang waren wir alle etwas skeptisch, aber am ersten Tag sind wir draufgekommen, dass es total nett ist auch mal andere Leute hier zu haben. Eigentlich sind war ja immer nur zu fünft hier und von den anderen Menschen Ratschlage zum glücklich sein zu bekommen, ist voll cool. Sonst haben wir ja immer nur unsere fünf Ansätze und jetzt kommen halt ab und zu Leute vorbei und sagen „Hey hast du schon mal das versucht?“ und das ist toll. Außerdem können wir uns die Stücke ansehen. Ich bin sehr positiv vom Festival überrascht.

Welche Stücke hast du bisher gesehen?

Gestern habe ich mir im Kristallwerk „Pink for Girls and Blue for Boys“ angeschaut und „Onbekend Land“ und „Speedy Amore“. „Bounce“ und „Die Paten“ haben wir auch gesehen. Wir wollten uns auch „Das Zebra Streifen“ anschauen, aber da hatten wir leider keine Zeit. „Museum of Memories“ war leider schon ausverkauft.

Welches hat dir am besten gefallen und warum?

„Onbekend Land“ hat mir am besten gefallen, ich mochte die Inszenierung und vor allem das Bühnenbild hat mich total begeistert. Dass man mit so simplen Mitteln so eine Wirkung erzeugen kann war sehr beeindruckend.

Gibt es ein Stück, dass dir nicht gefallen hat?

Das darf ich ja eigentlich gar nicht sagen. Eigentlich haben mir alle gut gefallen, manchmal gabs ein paar Sachen die unklar waren, oder Wendungen, die ich nicht gewählt hätte. Aber eines, dass mir nicht gefallen hat, gibt’s eigentlich nicht.

Macht Theater glücklich?

Gute Frage, im Zuge des Festivals haben wir uns inspiriert gefühlt, dass wir auch selber ein Stück machen: „Zwischen 5 und 40 Grad“. Das haben wir gestern zum ersten Mal aufgeführt. Da geht es um Kurzurlaube, wir stellten uns halt die Frage, „Was macht Leute glücklich?“ und wir wollten gerne ein Stück spielen, dass die Leute glücklich macht und Urlaub macht Leute glücklich. Im Zuge des Festivals fingen wir dann an uns etwas zu überlegen und fanden auch, dass es eine gute WG Aktivität ist, gemeinsam ein Stück zu machen. Es war schon sehr lustig und chaotisch und als wir es dann aufgeführt haben, hat es mich schon glücklich gemacht. Ich würd daher schon sagen, dass Theater glücklich machen kann.

Erasmus von Rotterdam hat mal gesagt: „Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit“, stimmt das?

Eindeutig! Das habe ich gestern gemerkt, da war ich ein bisschen verzweifelt und verrückt – und ich war voll glücklich.

Hast du noch einen Rat für alle, die glücklich sein wollen?

Ich glaube man muss seinen eigenen Weg gehen, weil Glück nur jeder für sich selber finden kann. Glück muss von innen kommen und dort sollte man es suchen.

Vielen Dank für das Gespräch

Über Julian Bernögger

Journalismus Student in Graz. Recherchearbeit und so Sachen... Schaut dass er immer da ist wo sich was tut, was aber viel zu selten gelingt. Experte im Experimentieren Twitter: @JulesTheJokur