Wo das Glück zu Hause ist

“Hat dir schon jemand die WG gezeigt?”

Verneinend schüttle ich den Kopf und bekomme prompt eine Führung von Leo, einem der fünf Mitbewohner. Die “WG des Glücks” ist eine Idee, die im Rahmen des spleen*graz vom spleen*trieb ins Leben gerufen wurde. Beim spleen*trieb realisieren junge Grazer Künstler und Künstlerinnen eigene Projekte, sozusagen ein Festival im Festival. Während der gesamten Dauer des heurigen spleen*graz, leben Leo, Pia, Alex, Carmen und Lena zusammen in einem Raum, der sich im Theater am Bahnhof in der Elisabethinergasse befindet. Im hinteren Teil liegen fünf Matratzen auf dem Boden, in der Mitte steht ein Tisch, an den Wänden sind unterschiedliche Poster angebracht. Neben dem Eingang befindet sich ein kleines Kämmerchen, das mit Vorhängen von der Außenwelt abgeschirmt wurde. Dieses beinhaltet ein paar Sessel sowie ein Regal mit einem Laptop und einer Kamera. Auf dem Laptop befinden sich Videos, die nicht länger als 30 Sekunden sein dürfen, und einen Einblick in das bisherige WG-Leben ermöglichen sollen.

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Fünf Tage lang dreht sich in der WG alles nur um ein Thema: Glück. Jeder findet seines in unterschiedlichen Bereichen. “Mein Glück liegt in der Gemeinschaft”,  erklärt Leo, hält mir ein Freundebuch hin und fordert zum gemeinsamen DKT Spielen auf. Währenddessen plankt Lena auf dem Boden in einem Tarnoutfit. Dann setzt sie sich an den Tisch und beginnt ein Buch über das Überleben in Krisensituationen zu lesen. “Sicherheit. Ich finde mein Glück in der Tatsache überall überleben zu können”, sagt sie und erzählt wie lange ein Körper ohne Trinkwasser auskommen kann. Pia hingegen hat ihre eigene Identität noch nicht gefunden. Gestern war sie ein Einhorn, heute läuft sie in einem Waschbärkostüm herum. Selbst bei den Theaterstücken trifft man sie darin an.

Die Fünf legen eine täuschend echte Performance hin. Nichts bringt sie aus ihrer Rolle, auf alle Fragen haben sie eine Antwort parat. Wo sie denn wirklich wohnen? “Ja hier!” Wie viel Miete sie zahlen? “180 Euro.” Ihre Erklärungen sind so plausibel, dass sie jeden für einen kurzen Moment zum Narren halten. Man ist sich nicht mehr sicher, was Realität und was Illusion ist, was echt und was gespielt. Somit setzen sie das diesjährige Thema “Wahr oder Falsch” des spleen*trieb perfekt um.

Aber warum genau Glück? “Wir alle werden so schnell erwachsen, wir müssen uns um alles selbst kümmern. Sogar um einen Impfpass”, antwortet Carmen auf die Frage. Also konzentrieren sich die Mitbewohner einfach mal auf ihr Glück, welches zwischen Universität, Arbeit und dem Erwachsenwerden sowieso zu kurz kommt. Carmens Glück liegt übrigens in der Wahrheit. Außerdem beschäftigt sie sich mit Verschwörungstheorien. Und Alex? Er sitzt am Tisch und versucht den Menschen zu helfen. So findet nämlich er sein Glück.

Egal, ob wahr oder falsch, die WG des Glücks ist eine toller Einfall, der in unseren Köpfen Platz zum Nachdenken schafft.

“Und, was macht dich glücklich?”