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Über Johanna Höfferer

Meinen Kaffee trinke ich ohne Zucker aber mit viel Milch. Im Licht der Abendsonne und mit dem Meer im Hintergrund fällt mir alles gleich viel leichter. Produktives Wissen wird in meinem Kopf von zahllosen Liedertexten (deren Richtigkeit ist nicht gesichert) verdrängt. Es ist mir wichtig, dass besondere Momente fotografisch festgehalten werden. Man weiß nie, ob sich die Situation jemals wiederholen wird. Und meine Ziele habe ich erreicht, wenn ich meine Leidenschaft, das Schreiben, zum Beruf machen kann. Oder wenn ich endlich meinen Hogwarts-Brief in den Händen halten darf. - Johanna, 20

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“Heute bin ich ein VIP!”

Man nehme: Eine Lehrerin, vom Unterricht freigestellt, und einen ihrer theatertechnisch wenig erfahrenen, aber wissbegierigen Schüler. Spleen*graz schickt das Gespann aus Schulkind und Autoritätsperson einen Tag lang durch die Grazer Spielstätten – mit der Neugier über die unterschiedlichen Auffassungen und Eindrücke der beiden.

Man bekommt: Interessante Gespräche, krampfhafte Lachanfälle und neue Freunde.

9:00, Operncafé. Vielen “grauen Männern” begegnend, lernt man sich bei Kaffee kennen, die Nervosität (beiderseits, wie sich im Laufe des Tages herausstellen sollte) schwindet sofort. Der straffe Zeitplan startet mit einer ausverkauften Vorstellung von “Bounce” im Next Liberty.  Unter der Erklärung, man müsse uns am heutigen Tag erkennen, werden die Namensbuttons angebracht – der Schüler Bastian prägt in diesem Zuge schnell das Motto des Tages: “Heute sind wir VIP’s”.

Im Großen und Ganzen ist man sich immer einig, was die Bewertung der Stücke betrifft; Die anschließenden Diskussionen bringen jedoch verschiedenste Interpretationsansätze zum Vorschein. So sind für die Pädagogin die zentrale Themen von “Bounce” übertriebener Ehrgeiz und Gier, während für Bastian Freundschaft und Zusammenhalt im Mittelpunkt stehen. Man bleibt zwar mit ein  paar Fragezeichen zurück, Eindruck hinterlässt die französische Truppe aber sehr wohl; nicht jeder ist in der Lage einem 300-köpfigen Publikum um 10 Uhr vormittags eine akrobatische Meisterleistung zu bieten.

Die auf Englisch gehaltene  Diskussion bezüglich “Audience Development” lädt den jüngeren Part des Zweiergespanns das eine oder andere Mal zum Gähnen ein. Mit ihrer pädagogischen Erfahrung und guten Inputs kann Frau Kreuzberger, die Lehrerin, vor den Theatermachern punkten.

Beim anschließenden Gespräch mit dem Schweizer Theater Sgaramusch bezüglich “Knapp E Familie”, nimmt Bastian deren Drehbuch auseinander, bekommt aber auf beinah jede Frage eine Antwort. Auch hier verlässt man die Spielstätte beeindruckt. Quer durch die halbe Stadt verschlägt es uns schon ein wenig ermüdet ins Kristallwerk. Das letzte Stück, “Onbekend Land” gestaltet das Abendprogramm. Außergewöhnliche Instrumente erzeugen gemeinsam mit der märchenhaften Kulisse eine übersinnliche Stimmung. “Wie in einem Traum”, ist man sich von allen Seiten aus einig. Anschließend laden die niederländischen Protagonisten zum Betrachten und Ausprobieren der Instrumente ein.

Wenn aus Fremden Freunde werden

Das spleen*graz Festival macht es sich alle zwei Jahre zum Motto eine Verbindung, beziehungsweise einen Dialog zwischen verschiedenen Fronten herzustellen. Sei es zwischen alt und jung, erfahren und laienhaft, fremd und bekannt. Das diesjährige Tandem-Projekt sollte eine solche Unterschiedlichkeit genauer beobachten und die diversen Eindrücke erfassen. Mein Ziel als Begleiterin des ungleichen Tandems: Diese Gegensätzlichkeit zu beleuchten. Das gemeinsame Erleben, der reflektierende Austausch im Gespräch und das Interesse am Gegenüber bewirkten in diesem Fall das Gegenteil. Im Zuge des “WG zum Glück”-Projekts zog man sogar in Erwägung, sich ein Dach über dem Kopf zu teilen. Gemeinsame Lachanfälle und auch der private Austausch bestätigen den Eindruck, dass dieses Festival, mit all den offenen und herzlichen Persönlichkeiten, verbindet. Auf die Frage, welches Statement spleen*graz am besten beschreiben würde, entgegnete Frau Kreuzberger folgenden treffenden Satz: “Aus fremden werden Freunde, man lernt sich kennen.”

Und nun – zum Schluss aber nicht zuletzt, wie unser Ossi gerne zu sagen pflegt: Ein riesiges Dankeschön an Verena Kreuzberger unPhoto 08.02.18, 12 35 07_previewd Bastian für die gute Zusammenarbeit und diesen gegenseitig aufregend gestalteten Tag!

 

– Johanna