Schlagwort-Archiv: Landflucht

Theater am Land – Das „junge“ Theater nicht aussterben lassen

“Ein Wunsch von mir ist, dass man das Land nicht ausdünnt.” Das Land nicht ausdünnt, das Theater für junge Zuschauer am Land nicht aussterben lassen. Ausgesprochen wurde dieser Wunsch von Angela Buschenreiter bei der Besprechung über die Zukunft des Theaters am Land im CCW Stainach. Dieser Wunsch ist das Anliegen aller hier Anwesenden.

Passend, dass die elf Person aus dem Bereich Kinder- und Jugendtheater und aus dem Bildungssektor sich auf einer Bühne einfinden. Immerhin geht es um das weitere Vorgehen rund ums Thema Jugendtheater am Land. Zu den elf zählen Anna Frizberg, Martina Schaupensteiner, Alexander Buschenreiter, Ursula Mandl, Birgit Bischof-Gaig, Herta Mandl, Verena Kiegerl, Angela Buschenreiter, Helmut Günther, Alfred Windel und Manfred Weissensteiner. Heute gilt es vor allem, die Lage zu sondieren. Sehen, wo die gemeinsamen Interessen liegen, Probleme herauszuarbeiten und gemeinsame Ziele und Lösungsansätze zu definieren.

“Wir merken es in Graz sehr stark, dass eigentlich das Interesse sehr groß ist, etwas am Land zu machen”, beginnt Manfred Weissensteiner. Es ginge zunächst darum, Möglichkeiten zu schaffen. “Es wäre sinnvoll zu überlegen, welche Synergien es gibt, damit sich eine Dynamik entwickelt.“ Angebote schaffen ja. Hier gibt es zunächst das Problem, wie man die Jugendlichen mobilisieren könnte. “Wenn die Eltern nicht mit den Kindern hierher kommen, kommen sie (die Kinder) nicht”, meint Helmut Günther vom CCW dazu. Er habe bereits mehrere Projekte durchgeführt. Auch in Kooperation mit Lehrern versucht man ein Nachmittagsprogramm für Schüler zu gestalten. Die Schüler konnten so im Rahmen der Nachmittagsbetreuung das Theaterzentrum aufsuchen. Auch das Projekt direkt an die Schulen mit Einmannstücken zu gehen, habe es gegeben. Das lief jedoch nur ein Jahr, da das Interesse daran im nächsten nicht mehr vorhanden war. “Es ist klar, dass Schüler nach einem ganzen Tag in der Schule nicht wieder in einem Schulprojekt sitzen wollen”, meint Verena Kiegerl zur Nachmittagsbetreuung.

Ein wichtiger Punkt wäre es, einerseits den Schülern klar zu machen, welche Angebote es gibt und zwar in gesammelter Weise – also einen Überblick zu schaffen und klar zu stellen, wie sie dorthin kommen können. Der nächste Schritt sei es, ihnen die Berührungsängste zu nehmen. “Alles geht über die Beziehungsarbeit. Was würde passieren, wenn man den Kindern die Möglichkeit gibt, zwei Mal die Woche an Theaterkursen im CCW teilzunehmen?”, so Kiegerl.

Ein weiteres Problem wäre das der fehlenden Mobilität. So würden die letzen Züge schon relativ früh fahren und die Verkehrsverbindungen relativ schlecht sein. Eine Idee wäre diese Wartezeiten sinnvoll mit Workshopangeboten zu füllen. Manfred Weissensteiner erinnert an das Theater im Bahnhof, das auch als Projekt im Jugendwarteraum begonnen hatte. Es wäre also zu überprüfen, ob tatsächlich die schlechte Verkehrsanbindung an der mangelnden Teilnahme an den Veranstaltungen schuld sei. “Wenn Jugendliche etwas wirklich wollen, kommen sie überall hin”, meint Verena Kiegerl.

Der nächste große Punkt sei mangelndes Interesse. “Wir haben versucht einmal etwas mit Schülern zu machen, das hat aber aufgrund von mangelndem Interesse nicht funktioniert”, erinnert sich Alfred Windel. Hier halten vor allem die anwesenden Lehrerinnen dagegen: “Die Schüler fragen dann schon, ob ihr (das TaO) heuer wieder kommt.” Es sei bei Theaterstücken jedoch generell schwierig ein passendes für eine Schulklasse zu finden, das weder zu anspruchslos noch zu abstrakt sei.

Alle sind sich einig, dass einer der wichtigsten Faktoren Beziehungen seien. Wenn engagierte Lehrer und Lehrerinnen bei einem Projekt beteiligt seien, würden sich die Schüler auch mehr für die Projekte begeistern. Gute Kontakte seien also sehr wichtig. “Überall wo etwas funktioniert, ist es an Leute gebunden”, so Verena Kiegerl.

Nicht zuletzt wurde auch das Problem der Landflucht genannt. So würden die Schüler zwar das Theater am Land kennen lernen, danach aber in die Stadt ziehen und so als potentielle Zuschauer wegfallen. “Eine Idee ist es auch einfach ein Zuckerl für die Schüler einzubauen. Wir haben zum Beispiel Hip-Hop Kurse angeboten.”, auf diese Art und Weise haben Angela und Alexander Buschenreiter Jugendliche ebenfalls über den Tanz zum Theater gebracht und letztendlich für dieses begeistert.

Der Wille und die Ideen, das Theater für Kinder- und Jugendliche also tatsächlich am Leben zu erhalten und auch neuen Lebensgeist einzuhauchen sind also reichlich vorhanden. Weitere Gespräche in Stainach werden folgen.

Ein Text von Stefanie Burger.

Teilnehmer am Dialog:

Manfred Weissensteiner, künstlerischer Leiter von TaO! und vom Jugendprogramm von spleen*graz//Anna-Katerina Frizberg, Geschäftsführung TaO! und künstlerische Leitung des Programmes spleen*trieb//Helmut Günther, CCW Stainach//Verena Kiegerl, Regiesseurin und Theaterpädagogin//Regionaljugendmanagement: Mag.a Tina Schaupensteiner//Angela und Alexander Buschenreiter vom Verein impulsaussee //Ursula Mandl (BE/Deutsch an der nms Irdning)//Prof. Mag. Birgit Bischof-Gaig, Theatercoach vom Bundesministerium und Lehrerin am Gymnasium Stainach//OStR. Mag. Dr. Herta Mandl-Neumann, Fachkoordinatoren Deutsch//Alfred Windel – Obmann Theatergruppe Stainach