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“Wie ein Chamäleon – nur nicht angepasst.”

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Das komplette Interview und viele weitere Ein- und Ausblicke auf das diesjährige spleen-Festival gibt es auch in der zweiten Ausgabe des spleen*dossier nachzulesen. In echt und auf Papier natürlich!

Menschengewirr, Holzmobiliar, Lasagnegeruch. Eine dichte Klangwolke schwebt über dem Raum. Reges Treiben im spleen*-hotspot. Bei einem Stück Schokokuchen warten wir auf die Organisatorin und den Organisator des Theaterfestivals: Hanni Westphal und Manfred Weissensteiner. Zehn Jahre ist ihr „Baby“ jetzt alt – Zeit, ein Fazit zu ziehen.

10 Jahre Spleen – welche Szene ist dir im Kopf geblieben? 

Manfred Weissensteiner: Schneegestöber, viele Menschen am Vorplatz vom Next Liberty, Gatsch, Feuer… und eingesperrte Jugendliche waren dort! Eingezäunt mit Schildern in der Hand.

Hanni Westphal: Also die erste Assoziation, die mir in den Sinn kommt, ist das allererste Stück oder überhaupt der Anfang. Das war, für mich persönlich, das totale Highlight. Einfach niemand hat spleen* gekannt und dann haben wir auch noch eine Theatergruppe eingeladen, die ebenfalls ganz unbekannt war. Wir haben uns gefragt, ob überhaupt Publikum kommt. Aber der Ossi (Weissensteiner) hat dann nur gesagt: „Lass mal, wenn die dann spielen, sehen das viele und dann wird das schon weitergehen.“

Und was war das erste Stück?

Westphal: „Long Journey Home”. Es wurde damals im Next Liberty aufgeführt. Ich bin bei der Premiere gesessen und dachte nur: „Das haben wir jetzt geschafft!“. Dann sitze ich da, hinter mir 300 Leute. Alle waren begeistert,  mein Gedanke war nur: „Wow“.

Wenn du zurückblickst – welches war dein Lieblingsstück?

Weissentsteiner: Boah ihr habt schwere Fragen! Wie viele Stücke waren das? Sechsmal spleen* mit durchschnittlich 15 Stücken – an die 90 insgesamt. Nein, ich kann es nicht sagen.

Eher ein Hang zur Komödie oder Tragödie?

Weissensteiner: Hmm.. ja ich lache schon gerne eigentlich.

Wenn das Festival ein Tier wäre, welches wäre es?

Westphal: Chamäleon! Naja, ich weiß nicht, ich hatte nur an etwas Buntes gedacht… Aber es passt sich an, ist vielleicht doch nicht so gut. Was könnte es denn sonst noch sein? Irgendwas Starkes! Ein Dinosaurier vielleicht.

Weissensteiner: Ein gefräßiges Murmeltier.

Wer entscheidet über das Thema des Festivals?

Weissensteiner: Meistens ist es so, dass bei der Auswahl der verschiedenen Stücke nach einem roten Faden gesucht wird. Die Stücke bestimmen eher das Thema, als das Thema die Stücke.

Und wie „findet“ ihr eure Stücke?

Weissensteiner: Durch Besuche bei anderen Festivals, Empfehlungen und auch durch Kontakte, die mit der Zeit entstanden.

Was ist dieses Jahr anders als alle Jahre zuvor?

Westphal: Dieses Jahr ist das Festival einen Tag kürzer, weil wir weniger Förderungen bekommen haben. Das ist schon eine gravierende Veränderung. Wir haben uns überlegt, wie wir den Festivalcharakter beibehalten können, deswegen haben wir einen Tag weggenommen, damit das Programm an den restlichen dicht bleibt.

Wie schätzt du mit diesem Status-quo bei Förderungen die Zukunft des Festivals ein?

Westphal: Wenn es so bleibt, können wir weitermachen – wenn es noch weniger wird, dann würde das gesamte Festival in Frage gestellt werden. Ich hoffe zumindest, dass die Förderungen auf dem gleichen Level bleiben, habe aber die Befürchtung, dass das Argument „Wir brauchen das Geld für anderes“ von den Zuständigen kommen wird. Kindertheater hat nun mal keine starke Lobby.

Warum eigentlich „spleen*“?

Westphal: Das hab ich mir ausgedacht! Zuerst gab es ein Festival mit behinderten Künstlern, da haben wir den Namen schon verwendet. Es steht einfach für schräg, verrückt, „spleenig“ halt. Dann kam die Idee, dass wir ein Festival für Kinder und Jugendliche machen und ich wollte ihn wieder einführen. Ein cooler Name, mir gefällt er sehr!

Was ist eure besondere Empfehlung für das diesjährige Publikum?

Weissensteiner: So etwas darf man nicht! Wie wäre das denn für alle anderen Beteiligten?

Westphal: Es gibt so viele tolle Stücke! Schauen Sie sich so viele wie möglich an, das ist meine besondere Empfehlung!

Weissensteiner: Musstest du schon sagen, welches Tier spleen* ist?

Westphal: Ja! Ich habe gesagt Chamäleon. Aber das passt doch nicht, weil es sich an seine Umgebung anpasst.

Das Interview führten Melanie Jaindl und Tanja Unterweger.